Die Auerochsen

In dieser Rubrik möchten wir die urig aussehenden, lang behornten Auerochsen vorstellen, die das Landschaftsbild der Langberger Weiden wohl am meisten prägen.

Der eigentliche Auerochse gilt als Stammvater aller Hausrinder und lebte über 250.000 Jahre auf weiten Flächen Europas, Asien und Nordafrika, ehe das letzte Tier 1627 in Polen getötet wurde. Der rasante Verlust der Artenvielfalt bleibt eine neue Herausforderung, die nur noch mit dem Klimawandel vergleichbar ist. Dazu gehört die bittere Pointe, dass zahlreiche Rinderrassen, die zur Wiedererstehung des Auerochsen genutzt wurden, nun selbst auf der langen Liste bedrohter Tierarten stehen.

Und so ist es Ziel der Langberger Weiden, als einer der wenigen privaten Züchter in Deutschland, den neuen Auerochsen, auch Heckrind genannt, in seiner Rückzüchtung zu schützen und zu bewahren. Die Brüder Heck haben in den 30'er Jahren angefangen, den Auerochsen zurück zu züchten, wobei hier von einer Abbildungszüchtung oder von einem neuen Auerochsen zu sprechen ist, denn das ursprüngliche Urrind ist leider unwiderruflich ausgestorben. Es ist ihnen jedoch gelungen, mit dem neuen Auerochsen einen Großteil der Aussehensmerkmale des ausgestorbenen Urrindes wieder herzustellen, welche auch heute noch Zuchtkriterien und Zuchtziele der Auerochsenhaltung sind.

Der neue Auerochse verfügt, wie die Urform, über einen hellgrauen oder hellbraunen Aalstrich, ein weißes Vlotzmaul und die dunklen Schleimhäute und auch die Kälber werden, entsprechend der Wildform, hellbraun geboren und färben sich erst nach vier bis fünf Monaten schwarz um, wodurch sie liegend in dem matten Gras des Vorfrühlings kaum zu erkennen sind. Typisch für das Ideal der Auerochsen ist auch der Größenunterschied der Geschlechter, wobei die Bullen mit bis zu 1.70 Metern Schulterhöhe ein 20-30 Zentimeter größeres Stockmaß erreichen können als die mit etwa 1.40 Metern Schulterhöhe eher zierlicheren Kühe. Das Zuchtziel wünscht rein schwarze Stiere, wohingegen bei den Kühen auch rötlichbraune Färbungen möglich sind.

Im Unterschied zu unseren Hausrindern sind die Auerochsen grundsätzlich einfarbig dunkel gefärbt, sie unterscheiden sich aber auch in der Statur von den uns bekannten Rinderrassen. Die Nacken- und Schultermuskulatur ist stärker ausgeprägt, die Taille schmaler, wodurch die Rückenlinie geschwungen erscheint, darüber hinaus verfügen die Auerochsen über längere Beine und ein wesentlich kleineres Euter und zeichnen sich durch ihre langen, hell gefärbten und oftmals variabel geformten, nach vorne ausladenden Hörner mit dunklen Spitzen aus.

Die genügsamen Tiere gelten als anspruchslos und robust. Das dichte, matte Winterfell und das glatte, glänzende Sommerfell ermöglichen problemlos Temperaturschwankungen von -25 bis 30 Grad Celsius. Gegenüber unseren Hausrindern gelten die Auerochsen als krankheitsresistent, widerstandsfähig und kältetolerant und sind für die ganzjährige Freilandhaltung sehr gut geeignet.

Das mit Abstand größte Projekt der Auerochsenrückzüchtung ist das mit 600 Heckrindern sehr umfassende niederländische Naturschutzprojekt Oostvaardersplassen. Insgesamt gibt es europaweit mittlerweile etwa 2000-3000 Tiere dieser Art, die vorwiegend in Naturschutzprojekten zur natürlichen Landschaftspflege eingesetzt werden oder in Tiergärten leben. Offiziell als schätzenswert galt diese neue Rasse erst, als 1980 ein internationales Zuchtbuch für Auerochsen veröffentlicht wurde, mit dem Bestand von gerade einmal 88 Tieren. Erst 1995 wurde ein europäischer Zuchtverband gegründet und 1997 ein deutscher Zuchtverband, Verein zur Förderung der Auerochsenzucht (VFA) e.V.,  in dem auch Olaf seit Jahren Mitglied ist.

Präambel des Vereins:
„Durch eine bewusste Zucht wird der Öffentlichkeit ein Lebensbild des Ur bereitgestellt, das geeignet ist, zusammen mit Bildungs- und Forschungseinrichtungen die kulturhistorische und evolutionsbiologische Bedeutung des Rindes zu erarbeiten. Richtschnur der Zuchtarbeit, die auf der Initiative der Gebrüder Heck aus dem Jahre 1934 aufbaut, ist ein Standard, der zoologische und paläontologische Grundlagen hat, sowie historische Urkunden berücksichtigt. Die Auerochsen nach HECK sind ihrer Natur nach robuste Rinder, deren vitalen Eigenschaften am besten durch eine extensive Haltung zu bäuerlichen oder landschaftspflegerischen Zwecken oder in großen Freigehegen entsprochen wird. Eine dauerhafte Stallhaltung der Tiere ist abzulehnen.“

Dieses Leitbild unterstützen und verfolgen wir aus Überzeugung und hoffen, dass der Ur so doch noch ein Stück weit in die Köpfe der Menschen und in das Landschaftsbild Schleswig- Holsteins zurück kehren kann.

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Mehr Informationen über die Auerochsen findet ihr hier:
http://www.auerochsen.de/