Das Konzept

In dieser Rubrik möchten wir unser Konzept vorstellen und in Worte fassen, wofür wir uns aus Überzeugung einsetzen.

Das Konzept der Langberger Weiden ist in Anlehnung an das bundesweite Projekt der Wilden Weiden entstanden, zu welchem auch der an unsere Weiden angrenzende Naturerlebnisraum Stiftungsland Schäferhaus gehört. Die Wilden Weiden umfassen über 3000 Hektar Weidefläche in Schleswig-Holstein, die von wildlebenden Schafen, Pferden und Kühen in ihrer ursprünglichen Form beweidet werden. Das oberste Ziel der Wilden Weiden ist es, die biologische Vielfalt und Schönheit der Landschaft zu erhalten und selten gewordenen Tier- und Pflanzenformen wieder einen Lebensraum zu geben. Hier sind die Weidetiere nicht Nutztiere, sondern Landschaftspfleger, die durch ihren ureigenen Futterrhythmus die Landschaft nachhaltig mit gestalten und formen.

Wir möchten unseren Tieren nach Möglichkeiten ein ebenso naturnahes und artgerechtes Leben in einer ganzjährigen Freilandhaltung bieten. Wer einmal die Auerochsen- oder Pferdeherden im gemüchlichen Schritt im Abendrot auf dem Weg zur Tränke hat ziehen sehen, sie im wilden Galopp über die großen Flächen der Weide hat rennen, sie in der Mittagssonne dösend und im strömenden Regen mit den Hinterteilen gegen den Wind hat stehen sehen, der wird sich von der Faszination der Wilden Weiden vermutlich nicht mehr lösen können. So ging es uns zumindest.

Unsere Pferde sind keine Sportgeräte, sie sind uns Freunde und Partner und wir alle möchten ihnen in den vielen Stunden ohne uns ein so schönes Leben wie möglich bieten. Sie leben, ebenso wie die Auerochsen, ein Stück weit wie ihre wilden Vorfahren in einer alters- und geschlechtergemischten Herde unter freiem Himmel und es ist faszinierend zu beobachten, wie die uralten Herdenstrukturen in den Herden auf den großen Flächen umgesetzt werden. Von der Leitstute geführt, von dem Leitwallach kontrolliert, leben die Pferde in einem festen Sozialverband, in dem die Kleinen von den Großen lernen und der geprägt ist von großer, gegenseitiger Achtsamkeit und dem feinen Zusammenspiel der Tiere.

Unser Konzept umfasst aber noch weitaus mehr als das, denn unsere Pferde- und Auerochsenhaltung lebt von der möglichst unberührten Natur unserer Flächen. Ein wichtiger Part der Langberger Weiden sind die naturbelassenen Grün- und Waldflächen. Wir versuchen nur mit einem Mindestmaß an Aktion in den natürlichen Kreislauf der Natur einzugreifen und geben durch gezielte Beweidung und Ruhezeiten und einem vorab fest gehaltenen Bestand an Weidetieren der Natur die Möglichkeit, sich eigenständig und ohne zusätzliche Düngung im Einklang mit den darauf lebenden Tieren zu entwickeln.

In einigen Punkten unterscheidet sich das Konzept der Langberger Weiden allerdings auch von den Wilden Weiden. In den Naturschutzgebieten geschieht eine externe Zufütterung nur im tiefsten Winter und in Notzeiten, grundsätzlich ist das Ziel, die robusten Tiere ausschließlich ohne menschliche Einwirkung leben zu lassen. Wir füttern unsere Tiere im Winterhalbjahr zwei Mal täglich mit ausreichend Raufutter zu und stellen sicher, dass eisfreies Trinkwasser zur Verfügung steht. Zusätzlich liegen auf allen Weiden Mineral- oder Salzlecksteine aus. Die Fütterung ist hier an die Futteraufnahme der Tiere in den Sommermonaten angelehnt. Es werden weiträumig wechselnde Flächen mit Raufutter abgedeckt, so dass alle Tiere gleichzeitig und ohne Rangkämpfe fressen können, was das Herdenmiteinander fördert und der natürlichsten Form der Fütterung entspricht.

Ein weiterer, wichtiger Punkt unseres gezielten Eingriffes umfasst das Jakobs-Kreuzkraut. Als tückische Giftpflanze in den letzten Jahren bekannt geworden, wächst die gelbblühende, sehr zähe Pflanze auch auf unseren Weiden und wird Jahr für Jahr im Sommer in tage- und wochenlanger Arbeit von uns manuell bekämpft. Oft werden wir besorgt von aufmerksamen Spaziergängern auf die Giftigkeit hingewiesen und auch diesen Punkt diskutierten wir, denn unsere Pferde sind es gewohnt, Gräser und Kräuter je nach Bedarf zu selektieren und rühren das prägnant bittere Kraut nachweislich nicht an. Nur im getrockneten Zustand verliert die Pflanze die schützenden Bitterstoffe, nicht aber an Giftigkeit, und kann so von den Pferden im Heu nicht mehr von ungiftigen Pflanzen unterschieden werden, was zur Aufnahme führt. Im schlimmsten Fall kann das zu Organschäden und dem Tod des Pferdes führen, weshalb wir sehr darauf achten, ausschließlich JKK-freies Heu zu kaufen und zu füttern.

Das JKK wurde bei uns vor Jahren künstlich ausgesäht, war in Saatmischungen für Wegränder enthalten und hat sich in den letzten Jahren sehr stark verbreitet, da ihm bislang die natürlichen Feinde fehlen. Die einzige Alternative der Bekämpfung ist das Ausstechen mit der Hand oder die Bekämpfung mit Chemie, was auf unseren Weiden selbstverständlich keine Alternative wäre. Das JKK hat eine vom Menschen künstlich erzeugte biologische Nische eingenommen, in der ihr bislang nur der Mensch entgegen treten kann.

Jedoch beginnt die Natur sich selber zu helfen. Wir beobachten eine verstärkt auftretende Raupenart, die das JKK frisst, Blätter und Blüten zerstört, die Pflanze schwächt und nur verkümmert zur Blüte kommen lässt. Wo viel JKK ist, werden sich viele Raupen entwickeln, diese werden dann nach einer Zeit im besten Fall die Ausbreitung des JKK auf natürliche Art und Weise eindämmen. Unser Dilemma, der Natur die Chance zu geben, ein natürliches Gleichgewicht zu etablieren und gleichzeitig das Kraut vor dem Aussamen von den Wiesen zu entfernen, haben wir mit einem Kompromiss gelöst. Anfang Juli beginnen wir mit der Bekämpfung und entfernen das JKK von den Weiden. In den Tagen und Wochen der Bekämpfung kommt ein kleiner Teil des Krautes zur Blüte und bietet somit den Raupen die Chance, ihren Lebenszyklus auf der Pflanze zu vollenden und sich auf ein weiteres Jahr vorzubereiten. Es ist ein von uns für notwendig erachteter Eingriff, in dem ein vom Menschen geschaffenes Ungleichgewicht durch Menschenhand wieder hergestellt wird.

Ein weiterer, wichtiger Punkt ist die chemische Einwirkung auf unsere Tiere. In den Wilden Weiden werden Medikamente nur im Krankheitsfall und nicht zur Prophylaxe eingesetzt. Diesen Punkt diskutierten wir lange, ehe wir uns entschlossen, uns zumindest bei der Vergabe der prophylaktischen Entwurmung den Wilden Weiden anzuschließen. In der modernen Pferdehaltung stehen viele Pferde auf kleinstem Raum zusammen, was die parasitäre Belastung im Boden massiv erhöht. Dieses vom Menschen geschaffene Ungleichgewicht muss der Mensch durch die Vergabe regelmäßiger Wurmkuren wieder ausgleichen. Auf unseren Flächen halten sich die dort lebenden Großtiere und die damit verbundene parasitäre Belastung des Bodens ein natürliches Gleichgewicht, was eine prophylaktische Vergabe von Wurmkuren überflüssig macht. Diese würden vermutlich vielmehr störend in die Welt der Mikroorganismen im Boden eingreifen und stellen auch für den Pferdeorganismus eine unnötige Belastung dar.

Weitere Informationen über den Umgang mit dem Jakobs-Kreuzkraut findet ihr hier:

"Umgang mit dem Jakobs-Kreuzkraut. Meiden - Dulden - Bekämpfen" herausgegeben von dem Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Schleswig- Holstein und deutschen Verband für Landschaftspflege e.V., Juli 2009.

Auch wird in den Wilden Weiden keinerlei externe Form der Klauenpflege betrieben, die Tiere sollen sich ihre Klauen, wie ihre wilden Artgenossen, ohne menschliches Einwirken abnutzen, was auch auf unsere Auerochsenhaltung zutrifft. Bei unseren Reitpferden jedoch kommt alle 6-8 Wochen der Hufschmied und die Huforthopädin, denn auf gepflegte und korrekt geformte Barhufe legen wir sehr viel wert. Und so bleibt unser Konzept ein Kompromiss aus der angestrebten völligen Freiheit der Wildtiere und der notwendigen menschlichen Einwirkung des domestizierten Haustieres, in dem wir alle gleichermaßen das Ziel verfolgen, für unsere Tiere ein so gutes Leben wie möglich zu erreichen.

Seit vielen, vielen Jahren schon wird auf den Langberger Weiden dieses Prinzip der Wilden Weiden gelebt und im Laufe der Jahre haben sich die Flächen von der gezielten menschlichen Bewirtschaftung erholt und die Artenvielfalt der Pflanzen und der Kleinstlebewesen kehrt zu uns zurück. Es ist ein Schauspiel, den vielen Gräser- und Kräutersorten im Laufe der Jahreszeiten beim Wachsen zuzusehen, zu beobachten, wie die Tiere gezielt ausgewählte Pflanzen zu bestimmten Jahreszeiten fressen, so dass ein fester Jahreszyklus entsteht, der von der Natur und den dort lebenden Tieren bestimmt und von uns nur an der Peripherie gesteuert wird. Wir leben diese Form der Tierhaltung aus Überzeugung und möchten dieses Stück Natur bewahren und erhalten. Ein verstärktes Bewusstsein um die Kostbarkeit des Ursprünglichen, das ist unser aller Ziel.

Mehr Informationen über das Konzept der Wilden Weiden könnt ihr hier nachlesen:
http://www.wilde-weiden.de